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Guillain-Barré-Syndrom 


Beim
Guillain-Barré-Syndrom handelt es sich um eine akute entzündliche demyelinisierende Polyradikuloneuritis. 

Guillain-Barré-Syndrom: Erklärung
Akut und entzündlich sind klar. Meist kommt es zu einer Beeinträchtigung und entzündlichen Reaktion der Myelinscheiden, d. h. der Ernährungsscheiden, die den Nerv umgeben. Polyradikuloneuritis bedeutet, dass viele Wurzeln und Nerven betroffen sind. 

Dem Guillain-Barré-Syndrom kann eine Infektion, ein Trauma, eine Schwangerschaft oder Operationen vorausgehen . Der Häufigkeitsgipfel für ein Guillain-Barré-Syndrom liegt in der 2. und 3. und in der 5. und 6. Lebensdekade. 

Guillain-Barré-Syndrom: Klinik 

Im Vordergrund stehen zunehmende Lähmungen, vorübergehend leichte Missempfindungen, dann kommt es zu Paresen (Lähmungen), die über Tage bis wenige Wochen zunehmen können. Typischerweise beginnt das Guillain-Barré-Syndrom an den unteren Extremitäten, steigt langsam nach oben und greift auf die oberen Extremitäten über. Selten gibt es Hirnnervenbeteiligungen. Sensibilitätsstörungen (leichte Missempfindungen) können bei sorgfältiger Anamnese und Untersuchung bei bis zu 80 % der Patienten nachgewiesen werden. Nicht selten finden sich auch ziehende Schmerzen in der Leistenregion und in den Armen und Beinen. 

Bei der klassischen aufsteigenden Lähmungsform muss sehr darauf geachtet werden, dass nicht das Atemzentrum betroffen wird, d. h. die Möglichkeit der intermittierenden Beatmung muss vorhanden sein. 

Guillain-Barré-Syndrom: Diagnostik 

Im Nervenwasser findet sich das Eiweiß erhöht, ebenso ein erhöhte Zellzahl. Die neurophysiologischen Untersuchungen sind typisch. Die Nervenleitung verlangsamt sich. Später finden sich sogenannte multiple Leitungsblöcke. Im EEG sieht man pathologische Spontanaktivität. Das EKG zeigt gelegentlich arrhythmische Formen und Reizleitungs­störungen. Bei dargestellter Diagnose beim Guillain-Barré-Syndrom muss täglich die pulmonale Vitalkapazität gemessen werden, um hier eine Atmungsstörung mit behandeln zu könne.

Andere Formen, die gelegentlich mit dem Guillain-Barré-Syndrom verwechselt werden können:

Kompression des Rückenmarks, Querschnittphänomene, Kinderlähmung (selten), Borreliose, Tollwut, Herpeserkrankungen, Vergiftungen mit Medikamenten, Polyneuropathien bei stoffwechselmäßigen und operationsbedingt schwerst geschädigten Patienten. 

Guillain-Barré-Syndrom: Behandlung 

Unbedingt stationäre Aufnahme, bei aufsteigenden Lähmungen EKG-Monitor-Überwachung und Thrombose-Prophylaxe, Möglichkeit der Beatmung. Die Therapie der Wahl ist die Gabe von I.V.-Immunglobulinen, in schweren Fällen kann auch ein Plasmaaustausch vorgenommen werden. Die Begleiterkrankungen (kardial etc.) müssen entsprechend behandelt werden. Nicht selten kann es auch zur Anlage eines passageren Schrittmachersystems kommen. 

Guillain-Barré-Syndrom: Verlauf 

Meist kommt es zum raschen Fortschreiten der Lähmungen, dann gibt es eine sogenannte Plateau-Phase für 2 bis 4 Wochen, danach bilden sich die Symptome meistens langsam zurück. Bleibende Defizite gibt es bei etwas 15 % der Erkrankungsfälle. Bei Erkrankungsbeginn über 50 Jahre eher ungünstiger Verlauf. 

Grundsätzlich handelt es sich bei einem diagnostizierten Guillain-Barré-Syndrom um eine schwere fortschreitende neurologische Erkrankung, die bei entsprechender Diagnostik, Intensivtherapie und deutlicher Beachtung der Begleitsymptome eine durchaus gute Prognose hat.

Ihr Prof. Dr. F. L. Welter
Ärztlicher Direktor, Chefarzt Neurologie
Arzt für Neurologie u. Psychiatrie, Arzt für Physikalische Medizin

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Aktualisiert: Juli 2010

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